Schrott und Spuk

In der Schrottplatzästhetik der japanischen Band Birushanah wird ein im Metal unterschätztes Instrument zum Glänzen gebracht: die Perkussions-Batterie. Und die Doom/Drone-Band Monarch machte aus dem Ebrietas-Keller eine Art musikalische Senftube.

birushanah_youtubeBild: Youtube

Das Metall in «Heavy Metal» ist ja normalerweise metaphorisch gemeint – von der popkulturellen Urszene der Wortschöpfung bei William S. Burroughs bis zum Vergleich von Stromgitarren mit Kriegsgerät. Doch bei der japanischen Band Birushanah ist das Wort für einmal ganz wörtlich zu verstehen: in Bezug auf das Arbeitsgerät ihres Perkussionisten Sano. Vor ihm steht eine ganze Batterie von metallenem Schlagwerk: Autofelgen, massive Rohre, ganz normale Schlagzeugbecken und ein riesiges Blech. Ein schepperndes Spektakel irgendwo zwischen Schrottplatz und Trommelkreis.

Eine solche Apparatur hat man hier im Keller der Zürcher Bar Ebrietas kaum je gesehen. Im Rahmen der Konzertreihe «Krachkarussel» spielten Birushanah dort am vergangenen Dienstag nach der französischen Doom/Drone-Band Monarch und der Schweizer Grindcoreband Tuer. Diese schöne Auswahl schien auch einem Muster zu folgen: zuerst rasend schnell, dann sehr langsam und dann … ja was eigentlich?

Schnörkellos mit dem Werkzeugkasten
Birushanah sind vor allem Rhythmus. Gegenüber von Sano sitzt Kohei hinter einem herkömmlichen Schlagzeug. Für den Rest der Musik ist Gitarrist und Sänger Iso zuständig. Wie die Landsleute von Boris bedient dieser sich ziemlich frei, also nach dem Werkzeugkasten-Prinzip, beim Riffing von Doom, Sludge und Hardcore, hält die Band bei aller Experimentierfreudigkeit aber stets auf einem schnörkellosen Kurs nach vorn.

Was die nackte Gitarre an Raum zurücklässt, füllen Sanos hoch und scharf klingende Wirbel. Dabei ist der Perkussionist stets auf das Schlagzeug abgestimmt. Zusammen ergibt das zeitweise eine fokussierte Begleitung, oft aber auch ein scheinbar assoziatives Treiben durch Zustände an- und abschwellender Dichte, wie bei den Black-Krautern Aluk Todolo (am 25.04. im Ebrietas). In der synchronen Wucht erinnert das auch an die doppelte Rhythmusmaschine der heutigen Melvins, in der tribalistischen Gruppendynamik an Slipknot und in der krachenden Schrottplatzästhetik an den Industrial der frühen Einstürzenden Neubauten. So sind es meist rhythmische Patterns statt Riffs, denen entlang man sich dieser Musik annähert.

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Erhaben oder geisterhaft: Emilie Bresson von Monarch. Bild: huz.

Bei Monarch liegt die Sache ganz anders. Hier strömt von Anfang bis Ende viel saftige Gitarrengewalt; so viel, dass sie hier in diesem engen Keller kaum Platz zu haben scheint, als würde der Sound durch die Beschränkung des Gemäuers an den Rand der totalen Sättigung getrieben. Immer wieder spielen sich die beiden Gitarristen durch schön ausartikulierte, oft zweistimmig harmonisierte Riffs, die klaren Progressionen folgen. Die meiste Zeit aber bewegt sich die Band, deren Stücke nicht selten gegen zwanzig Minuten lang sind, an einer Art Schleifpunkt zur Drone-Suppe. Dort kann sie sich scheinbar endlos, schleppend treiben lassen.

Die Musik von Monarch bewegt sich vor allem innerhalb von zwei Grundstimmungen: erhaben oder geisterhaft. Die Herrin darüber ist Sängerin Emilie Bresson, die ihre Stimme über unzählige Effektgeräte moduliert. Wenn sie dies gerade weniger tut, sich ihre Stimme also nahe an ihrem natürlichen Klang bewegt, sie kräftig und roh klingt oder sogar operatische Züge im Stil von Urfaust annimmt, dann verleiht sie dem Dröhnen der Gitarren einen stolzen Fluchtpunkt, fast wie eine Krönung. Aber dann gibt es auch die andere Tonalität, wenn Bresson ihre Stimme in x-facher Ausführung hallen und heulen lässt, dann ist es, als würde sie durch die dünnen Ritzen zwischen den Riffs hindurchspuken.

Weiter Krachkarussel-Shows:
25.04.: Aluk Todolo und Antiversum. Ebrietas, Zürich
27.04.: Rectal Depravity. Ebrietas, Zürich
08.05.: Bongzilla, Shever und Wardhill. Kiff, Aarau
25. bis 27.05.: Krach-Kunst-Festival mit verschiedenen Doom- und Grindcorebands. Ebrietas, Zürich