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Wode

Servants of the Countercosmos

Avantgarde Music, 2017

Wie man eine Karriere in Schwung bringt, demonstrieren gerade Wode. Etwas mehr als ein Jahr nach Wode liegt seit einigen Tagen der Nachfolger Servants of the Countercosmos vor. Die fünf Jahre zwischen dem Demo MMXI und dem gefeierten Debüt müssen eine ergiebige Zeit für die Band aus Manchester gewesen sein. Denn mit ihrem zweiten vollwertigen Album binnen eines Jahres geben Wode weder einen Schnellschuss ab, noch liefern sie schlicht soliden Nachschub; Die zusätzliche Reifezeit liess die Hooks schärfer, die Riffs sägender, die Vocals griffiger werden, die Songs auf Servants wirken kompositorisch geschlossen und gut abgehangen.

Noch nie haben Wode Dissection und Watain so ähnlich und doch gleichzeitig so frisch geklungen. Wie sehr sich Wode der brutalen Eleganz der schwedischen Black-/Death-Metal-Schule ähnlich machen, springt einen zu Beginn des dritten Songs «Temple Interment» geradezu an. Das nervöse Eröffnungsriff hätte auch auf Dissections Storm of the Lights Bane Platz gehabt und bei den Zeilen «Black flames to sanctify the horde in the night sky» ist Sänger Michael Czerwoniuk motivisch, rhythmisch und stimmlich ganz nah an Jon Nödtveidt und Erik Danielsson.

Aus den stilsicheren Texten blitzen markante Signifikanten wie «Black Sun», «Celestial Silence» oder «Transformation» auf, um die herum der auf dem Cover dargestellte Antikosmos Form annimmt. Wendungen wie die, als «Temple Interment» sich im zweiten Teil in modrigen Death Metal und zurück in gleissenden Black Metal verwandelt, halten die Musik dynamisch. «Celestial Dagger» und das mit einem grossartigen Refrain ausgestattete «Servants of the Countercosmos» oszillieren dann zwischen majestätischem, mit dräuenden Leads garniertem Midtempo und scheppernden Ausbrüchen – eine Struktur, die die angesprochenen Verwandtschaften unterstreicht.

Dass Servants schroffer klingt als das bombastische Wode, hat viel mit dem Klang des Schlagzeugs von T. Horrocks zu tun. Dieses wurde im Mix etwas zurückgenommen, wodurch die Gitarrentexturen mehr Luft erhalten als auf Wode, auf dem diese oft von Bass und Bassdrum zugedeckt wurden. Horrocks Spiel selbst, thrashiger als auf Wode, lugt dadurch tückischer hinter dem Vorhang aus Gitarren und dezenten Keyboards hervor.

Exemplarisch zu hören ist diese im rohen Sound gewonnene Finesse am Ende des chimärischen «Chaosspell», den letzten Black-Metal-Takten von Servants, bevor das Album mit dem akustischen Gezupfe von «Undoing» ausklingt: Horrocks‘ spitze Beckenzaubereien sorgen dafür, dass das neunminütige Geflecht aus singenden Leads, hallenden Soli, plänklenden und knüppelnden Passagen an seinem Ende nicht in Harmonie verglüht. Zu Vollendung haben diese Textur aus polyphonen Riffs und Tanz der Becken zuletzt Mgła auf Exercises in Futility gebracht. Auch diese Referenz vergegenwärtigt, dass Servants of the Countercosmos eines nicht ist: eine neue Demarkation im Black Metal. Dafür ein grosser Spass und grosse Genrekunst.