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Trap Them

Crown Feral

Prosthetic 2016

Trap Thems letztes Album mit dem bezaubernden Namen Blissfucker war für viele etwas schwer verdaulich. Mit einer guten Dreiviertelstunde Spielzeit ist es nicht nur ihr mit Abstand längstes, sondern auch monotonstes und minimalistischstes Album. Zudem hatte die Band mit dem Weggang von Drummer Chris Maggio einen wirklich herben Verlust zu verzeichnen. Sein Nachfolger Brad Fickeisen (dieser Name!) zeigte zwar eine durchaus solide Leistung, hatte aber noch Schwierigkeiten, seinen Platz in den Kompositionen zu finden. Trotzdem ist Blissfucker mit seinem eklig-sludgigen Charme ein gelungenes Album. Doch wenn ich ganz ehrlich bin, dann haben mir manchmal schon ein bisschen die unbändige Aggressivität und die nervöse Hektik gefehlt, die diese Band eigentlich auszeichnen.

Nun sind also zwei Jahre vergangen und Trap Them melden sich mit dem schon von der Namensgebung her ziemlich ehrgeizig anmutenden Crown Feral zurück. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass sie diese Krone nicht nur besingen, sondern zugleich auch für sich beanspruchen wollen. Und das ist ja schon eine Ansage.

Grundsätzlich hat sich bei Trap Them nicht allzu viel geändert: Sie hauen uns einmal mehr diesen hässlichen, dreckigen Bastard aus Crust, Punk und (Death) Metal vor den Latz – grosszügiger Einsatz des legendären BOSS-HM2-Zerrpedals inklusive. Wenn etwas neu ist, dann sind es vielleicht die manchmal etwas sphärischer klingenden Leadgitarren und der vergleichsweise hohe Metalanteil. Das Album gewinnt also kaum einen Originalitätspreis, aber es ist authentisch aggressiv, extrem kompakt geschrieben und stellenweise gefährlich eingängig. So gut wie jedes Riff ist ein sägender Volltreffer.

Während Fickeisens Drumming auf dem letzten Album noch etwas steif und wenig einfallsreich war, überzeugen seine Flinkheit und Spielfreude hier auf Anhieb. Sänger Ryan McKenney nimmt wie gewohnt weder Rücksicht auf den Hörer noch auf sich selbst und brüllt sich beinahe konstant die Stimmbänder kaputt. Man kann das Blut in seiner Kehle förmlich schmecken.

Wer die Band schon einmal live gesehen hat, der weiss, dass McKenney nicht nur ziemlich rabiat mit seiner Stimme umgeht, sondern seinen Körper überhaupt gern Belastungsproben aussetzt. So hat er zu Beginn der letzten Europatour das Glanzstück vollbracht, sich beim Sprung von einem etwas grösseren Lautsprecher gleich beide Füsse zu brechen – und den Rest der Tour kurzerhand im Rollstuhl absolviert. Das Fortführen der Tour in diesem doch ziemlich erbärmlichen Zustand verdient Respekt und zeigt, was man diesem Album ohnehin anhört: Die Band ist mit voller Hingabe dabei.

Das Erfreulichste an Crown Feral ist, dass Trap Thems aktuelles Lineup unglaublich gut eingespielt ist. Derart dynamisch, agil und spritzig hat man die Truppe bislang eigentlich nur auf Darker Handcraft erlebt – damals noch in anderer Besetzung. Kaum Verschnaufpausen, kein Füllmaterial, keine Gefangenen (wie ironisch). Eintönig oder gleichförmig wird es dank einer angemessenen Mischung aus Prügelattacken, rockigeren Midtempo-Brechern und vereinzelten langsameren Passagen dennoch nicht.

Da der ganze Spass wie üblich von Converge-Gitarrist Kurt Ballou aufgenommen und gemischt wurde, ist auch der Sound sägend und druckvoll ausgefallen. Wenn es bei diesem Album etwas zu meckern gibt, dann ist es höchstens die Tatsache, dass es grenzwertig laut gemastert ist – ein Problem allerdings, das man leider einem erschreckend grossen Teil der aktuellen Metalveröffentlichungen attestieren kann.

Ein Highlight ist sicher das Stück Speak Nigh: Unter präzisem Kommando von Herrn Fickeisen bricht die Band hier gegen Ende immer wieder unvermittelt in kurze, bestialisch brutale Blastattacken aus, bei denen einem ganz warm ums Herz wird, regelrecht heiss. So heiss, dass mir gleich die Halsschlagader platzt und ich irgendetwas oder irgendwen zu Klump schlagen will. Crown Feral ist ein verdammtes Fest, eine Zeremonie des Hasses. Trap Them haben sich ihre Krone redlich verdient.