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Draugsól

Volaða Land

Signal Rex 2017

Mit ihrem Debütalbum Volaða Land erbringen Draugsól schon früh im Jahr den Beweis, dass sich Reykjavíks brodelnde Black-Metal-Szene auch in den ergiebigen letzten zwei Jahren künstlerisch nicht verausgabt hat. Eben noch legten Endalok mit der alptraumhaften EP Úr Draumheimi Viðurstyggðar nach. Wie in den meisten Reykjavíker Bands spielen die Mitglieder von Draugsól in weiteren lokalen Projekten, Sänger A. J. etwa ist auch der Bassist von Mannveira. Ritualszenen in vulkanischer Landschaft und gebleichte Tierschädel auf schwarz-weissen Bandfotos fügen sich ausserdem in das mittlerweile durch ausführliche Berichterstattung profilierte Imaginäre des isländischen Black Metal.

Volaða Land beginnt mit einer schwelenden Ouvertüre, finster schielend setzt das Ungeheuer zum Sprung an. Dieser erfolgt mit «Formaeling» – zunächst eine stachelige Thrash-Nummer, die alsbald ihr hymnisches Herz ausschüttet. Draugsól machen keinen Hehl aus ihrer musikalischen Nähe zu gefeierten Kollegen wie Misþyrming oder Naðra. Hochfliegende, melodiöse Leads prägen Volaða Land ebenso wie röhrendes Riff-Chaos und dunkler, hintergründig verwehter Gesang.

Doch trotz des Einsatzes dieser klanglichen Mittel, die mittlerweile zur Beschreibung eines «typisch isländischen Klangs» herbeigezogen werden können, mutet Draugsóls Griff in die Farbtöpfe des Reykjavíker Schwarzkunst-Ateliers durchaus eigensinnig an. Im Vergleich zu den genannten Kollegen geht das Trio gradliniger zu Werk. Zu jedem Zeitpunkt des Albums ist trennscharf zu erkennen, welches Instrument gerade was macht. Die schlichten Elemente, aus denen die episch langen Songs gefügt sind, zeugen vom Vertrauen der Musiker in ihre Ideen. Draugsól lassen den kargen Melodien und Riffs die Zügel schiessen – da ist keine Note, keine dissonante Krümmung zu viel. Das wunderbar scheppernde Drumming oszilliert zwischen aufspritzenden Wirbeln und Blastbeats, die wühlenden Basslinien tun ihr übriges zur rostigen Schönheit der Songs.

Die grossen Alben der jüngsten Reykjavíker Vergangenheit wie Söngvar elds og óreiðu (Misþyrming) oder Allir Vegir Til Glötunar (Naðra) sind auch dank ihres diffusen Klangs atmosphärische Meisterwerke mit synästhetischer Qualität. Auch wenn sie konkreter und metallischer klingen, schaffen dies auch Draugsól. Die Songs auf Volaða Land malen dank ihrer erzählerischen Länge trostlose Welten, in denen es aussieht wie auf dem düster-expressionistischen Artwork von Vojtěch Doubek. Seine gleichwohl schlichte Pracht macht Draugsóls Erstling zu einem frühen Höhepunkt des Black-Metal-Jahrs 2017.