«Die Geister sprechen durch uns»

, 09.06.2017

Erstmals seit fünf Jahren waren Wolves in the Throne Room in diesem Frühling wieder in Europa unterwegs. Kurz nach der Hauptbühne des Roadburn Festivals bespielten die Ikonen des atmosphärischen Black Metal auch das Winterthurer Gaswerk. Schlagzeuger Aaron Weaver hat uns ein paar Fragen zum Phänomen «US-Black-Metal» und zum Verhältnis von Musik, Landschaft und Bewusstsein beantwortet.

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Nathan Weaver am Roadburn Festival, Bild: Justin Ligtvoet

Alpkvlt: Aaron, dieses Jahr waren am Roadburn Festival neben Wolves in the Throne Room so unterschiedliche sogenannte «USBM-Bands» wie Deafheaven, Woe oder Ash Borer zu sehen. Denkst du, dass es etwas Spezifisches gibt am Black Metal aus Nordamerika, oder war der Begriff nie relevant?
Aaron Weaver: Nein, der Ort, aus dem heraus Musik entsteht, ist sehr wichtig. Das trifft für jegliche Musik zu, aber beim Black Metal ist es besonders offensichtlich. Der Grund, weshalb ich mich ursprünglich zum norwegischen Black Metal hingezogen fühlte, ist, dass diese Musik auf kraftvolle Art und Weise den einzigartigen Geist und die Magie der nördlichen Länder heraufbeschwört. Wolves in the Throne Room existieren, um den Geist der Berge, Wälder und des Salzwassers unserer schönen Heimat zu kanalisieren. Die Geister sprechen durch uns, die Zeder, der Lachs und der Rabe. Deafheaven ist Musik, die aus der Stadt kommt. Das ist auch gut so, aber etwas ganz anderes.

Heute wird die isländische Szene wird von vielen als zeitgenössische Black-Metal-Avantgarde gesehen. Am Roadburn spielten vier Bands aus dem kleinen Land. Ähnlich wie ihr und andere US-Bands haben viele davon das satanische Image abgelegt. Würdest du sagen, dass diese Bands einer Richtung folgen, die ihr mitbegründet habt?
Ich kenne die Motivationen und Einflüsse dieser Bands nicht. Aber wie mir scheint, bezieht isländische Musik immer Inspiration aus der gewaltigen Landschaft. Man kann dort die alten Geister hören. Und das ist ja nicht nur beim Black Metal so. Auch populäre isländische KünstlerInnen wie Björk und Sigur Rós verkörpern die Magie der isländischen Landschaft.

An welchem Ort entsteht heute der aufregendste Black Metal?
Ich liebe die Musik unserer FreundInnen aus Kaskadien!

Am Roadburn habt ihr vor allem Songs von Two Hunters gespielt, einem Album, das fast zehn Jahre alt ist. Seid ihr zu Black-Metal-Veteranen geworden, die nur noch ihr Erbe verwalten?
Natürlich nicht! Eine Ankündigung über unser zukünftiges Schaffen steht kurz bevor. Aber es stimmt, dass wir gerne Songs aus allen Phasen unserer Karriere spielen – auch von Diadem of 12 Stars und Two Hunters.

Neben dem Auftritt von Wolves in the Throne Room konnte man am Roadburn auch euer anderes Projekt Drow Elixir sehen. Konzentriert ihr euch in Zukunft auch auf Ambient und elektronische Musik oder seht ihr Drow Elixir eher als ein Nebenprojekt?
Es ist ein Nebenprojekt. Alle drei von uns sind in elektronischen Projekten engagiert. Aber unser Fokus liegt auf Wolves in the Throne Room.

Auf euren letzten Alben kamen oft Synthesizer und Ambient-Teile vor. Wo treffen sich Black Metal und Ambient oder andere elektronische Musik?
Das lässt sich leicht mit einem einzigen Wort beantworten: Trance. Mit unserer Musik wollen wir uns und unser Publikum in einen Zustand der Trance versetzen. Black Metal und viele Arten von elektronischer Musik nutzen Drones, Repetition und Intensität, um dies zu erreichen. Auf diesem Weg sind Menschen seit langer Zeit in andere Bewusstseinszustände eingetreten.

Seit Celestite ist einige Zeit vergangen, das Synthesizer-Album stiess auf gemischte Kritiken. Werden sich Wolves in the Throne Room noch einmal neu erfinden oder kehrt ihr zur Formel eurer gefeierten Black-Metal-Alben zurück?
Wolves in the Throne Room ist eine Black-Metal-Band, unsere HörerInnen werden bald erfahren, an welcher Art von Musik wir arbeiten. Wir freuen uns sehr darauf, die nächste Ära einzuläuten!

Aaron Weaver hat unsere Fragen schriftlich beantwortet.