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Amon Amarth

Jomsviking

Metal Blade 2016

Amon Amarth waren für mich schon immer eine Frühlingsband. Zwar sind ihre Bilder von sich gegenseitig die Helme einschlagenden Göttern und Wikingern meist aus vereisten Welten der nordischen Mythologie geschnitten. Und auch ihr zehntes Album «Jomsviking» bleibt als Konzeptalbum über eine besonders raublustige Sorte von Nordmännern mehr denn je der nordischen Scholle und den sie umfliessenden Wassern verhaftet. Aber bei allem Eis und Stahl lag schon immer etwas duftig-sonniges in den euphorischen Riffs, waren Johan Heggs Growls das Gurgeln eines Bergquells, lag Aufbruch im Doublebass-getriebenen Midtempo der Fünf aus Tumba. Und das neue Album ist das bisher wärmste von Amon Amarth, wenngleich auf dem in gewohnter Weise zwischen Marvel und Manowar gehaltenen Artwork erstmals ein vereister statt ein glühender Schriftzug prangt.

«Jomsviking» ist ein generisches «Metal»-Album geworden. Konsensuell könnte man sagen, aber auch kunstfertig in seinem Reichtum an Bezügen. «At First Dawn» etwa zitiert Iron Maiden auf unzweideutige Weise, mit einem jauchzenden Lead und der Zeile «Run for your life». Überhaupt wirken die traditionellen Metal-Anteile auf «Jomsviking» formgebender denn je. Songs wie «Wanderer» oder «Back On Northern Shores» markieren endgültig den Triumph der Hooks über die Riffs bei Amon Amarth, abzüglich Hegg ist das streckenweise reiner Power Metal.

Nun mag man einwenden, dass alles sei schon immer da gewesen. Natürlich sind Amon Amarth schon lange so, wie sie sich auf «Jomsviking» präsentieren. Sie sind die Band, die Melodic- und Death-Metal-Fans ins Drachenboot holt, weil sie Pop ohne Klargesang und Death Metal ohne Brutalität schafft. Doch auch wenn Amon Amarth diesen «Geist des Metal» schon immer ostentativ entfalteten– und auf dem genügsamen «Deceiver Of The God» darin stagnierten -, so scheint er in den cineastischen Hymnen von «Jomsviking» endgültig zu sich gebracht. «Faster! Stronger! Fiercer! Harder!» singt Hegg in «The Way Of Vikings» und im nächsten Song «Raise your Horns (…) up to the sky, we will drink for glory tonight». Amon Amarth haben wieder Fahrt aufgenommen und repräsentieren stärker denn je das Tertium comparationis von Bierpfützen im Schlamm und Blutstropfen im Schnee.